Flüchtlingen nach traumatischen Erlebnissen zu helfen, dieses Ziel hat sich das Bayerische Rote Kreuz gesetzt.

In Straubing, Würzburg und in Deggendorf startet deshalb die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge zur unmittelbaren Hilfe für Betroffene und Helfer, die mit Flüchtlingen arbeiten.
Der Anlass: Etwa ein Drittel der Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, hat zuvor in ihren Heimatländern, die in vielen Fällen von Krisen und Konflikten gezeichnet sind, so viel Leid erfahren, dass sie krank sind. Besonders Kinder haben oft keine Möglichkeiten ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Dies bestätigen zahlreiche Studien von anerkannten Psychologen und Ärzten.

Khalid* hat mit angesehen, wie seine Schwester vergewaltigt und Verwandte ermordet wurden. Das war vergangenes Jahr in Syrien, als er und seine Familie mitten in Gefechte zwischen Rebellen und Armee gerieten.
Der Mann, Ende 30, flieht aus dem Kriegsgebiet und verlässt seine Heimat. Allein, denn nur für ihn reicht das Geld der Familie. Was Khalid von der Reise in einem der überüberfüllten und gefährlichen Schlepperboote noch im Gedächtnis ist, ist die Angst, die Fahrt nicht zu überleben. Seit Anfang dieses Jahres lebt der Syrer nun in Bayern. Das Gefühl von Todesangst und all die schlimmen Szenen trägt er weiter mit sich herum. (Quelle Der Spiegel)

Dieser Fall ist nur ein einzelnes Beispiel von Tausenden, die sich ähnlich oder in anderen schrecklichen Varianten in den vergangenen Jahren abgespielt haben und auch heute kein Ende finden.
„Die Not ist groß“, sagt BRK-Präsident Theo Zellner, „und wer kommt, ist da“. Geschätzt kommt jeder dritte Asylsuchende traumatisiert in Deutschland an. Mit einer Depression oder einer posttraumatischen Belastungsstörung, weil er oder sie in der Heimat oder auf der Flucht Schreckliches erlebt haben. Besonders betroffen sind Menschen aus Syrien, aus Afghanistan und aus dem Irak. Noch nach einem Jahr nach Einreise werden oft nur augenscheinliche Akutfälle behandelt.“
Theo Zellner weiter. „Das soll und muss sich ändern.“ Diese Menschen sollen jetzt möglichst schnell Hilfe erhalten.

Die Mittel für die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge mit ihren drei Beratungsstellen in Straubing, Deggendorf und Würzburg stammen aus einer privaten Spende, die den Betrieb für die nächsten zweieinhalb Jahre sichert. Sowohl in Niederbayern als auch in Unterfranken gibt es kaum Anlaufstellen für Flüchtlinge die psychologische Hilfe benötigen. Dazu Wolfgang Obermair, stellvertretender Landesgeschäftsführer. “Deshalb haben wir diese Standorte gewählt. Angeschlossen sind die Dienste an die Sozialpsychiatrischen Dienste des Bayerischen Roten Kreuzes.“ Die vier Mitarbeiterinnen, eine Psychologin und drei Sozialpädagoginnen nutzen bereits bestehende Netzwerke und kümmern sich gleichzeitig um den Kontakt zu Dolmetschern, Therapeuten, Ehrenamtlichen und Ärzten. „Dabei ermöglichen wir auch eigene therapeutische Angebote, wie zum Beispiel Kunsttherapie für Erwachsene und Kinder.“ Die Beratungsstellen sollen im Rahmen einer psychologischen Beratung u. a. den Handlungsbedarf der Schutzsuchenden klären und eng mit den Asylsozialberatern in Unterkünften und anderen Helfern eng zusammenarbeiten. „Unsere Bandbreite ist groß. Wir wollen den Betroffenen helfen als auch diejenigen aufklären, die sich für sie engagieren, sie betreuen.“ sagt Wolfgang Obermair, stellvertretender Landesgeschäftsführer. Zurzeit wird auch eine Broschüre erstellt. Ein Ratgeber für haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Sie informiert darüber, wie sich eine traumatische Erkrankung bemerkbar macht und erläutert, was Flüchtlingshelfer beachten sollten.
„Traumatisierte Flüchtlinge können trotz ihrer seelischen Leiden mit der Unterstützung und dem Verständnis von haupt- und ehrenamtlichen Helfern ihren Alltag meistern“, erklärt BRK Präsident Theo Zellner. „Sie sollten aber wissen, wann professionelle Unterstützung zwingend notwendig ist.“